Onkel Max und sein unvergessliches Erlebnis

Wohin die Liebe fällt! Onkel Max denkt oft und gerne an die 80er Jahre zurück, genau genommen an das Jahr 1988, in dem er seine wohl emotionalste Bahnreise erlebte. Das war zwei Jahre, nachdem er seine jetzige Frau Rosa kennenlernte und sie kurz darauf beschlossen, zu heiraten. Das Ja-Wort gaben sie sich vor dem Traualtar der berühmten Kirche von Burgfelden. Nicht schlecht staunten sie, als beim Auszug aus der Kirche nicht nur der Frauenverein, dessen Präsidentin seine Frau Rosa war, sondern auch seine Kollegen mit Bähnlerhut und Abfahrtskelle Spalier standen.

Die geladenen Gäste konnten im ersten Moment nicht verstehen, wieso sie sich um 13:00 Uhr beim Bahnhof Wassen einfinden sollten. Findet das Fest im Bahnhofrestaurant statt oder gibt es gar eine Reise in den Süden? Weder noch – um 13:00 Uhr fuhr ein farbiger Zug auf Gleis 2 ein. Es war der berühmte Amor-Express, gezogen vom Tino, wie der Triebwagen Be 3/4 43 mit dem Tessiner Grotto liebevoll genannt wird. Jetzt war allen klar, eine unvergessliche Fahrt steht bevor.

Das Brautpaar und die Gäste bestiegen den Zug und Punkt 13:13 Uhr schaltete das Ausfahrsignal auf grün. Für einmal wurde der Abfahrbefehl, wie er damals noch hiess, nicht per Lichtsignal, sondern mit der grün-weissen Kelle gegeben. Der Zug setzte sich gemächlich in Bewegung. Talwärts führte die Reise und noch im Kehrtunnel vor Katzenbach gingen fast alle Reisenden zu den Fenstern auf der rechten Seite. Dort erhob sich nach der Tunnelausfahrt der Hof, auf dem des Bräutigams Bruder Hans wohnte und der auch zur Hochzeitsgesellschaft gehörte. Sein Knecht – irgendjemand musste ja die Kühe melken – winkte und machte den Eindruck, den Hof im Griff zu haben. Inzwischen lebt dort auch Peter, der Neffe von Onkel Max. Peter ist ein wahrer Eisenbahnfreak und mit ihm hat Onkel Max schon einige Bahnausflüge erlebt.

Nach einer halbstündigen Fahrt über Brücken, durch Tunnels und entlang des Dorfes Burgfelden endete die Bahnreise für die Hochzeitsgesellschaft planmässig im Gleis 3 des Kopfbahnhofes St. Muhrtal. Weiter ging es dann mit dem historischen Postauto zum Ausflugsrestaurant Alpenblick in der Nähe des Bahnhofs Solis, wo bis tief in die Nacht gefeiert wurde. Ein wirklich unvergessliches Erlebnis!

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Das Vorbild

„Der Amor-Express ist seit Jahren ein Begriff. Eisenbahnerlebnis pur für Hochzeiten, Firmenausflüge, Familienanlässe oder einfach so. Sie reisen in individuell gestalteten, gemütlichen Wagen mit offenen Plattformen. Die alten Zweiachswagen wurden für den Ausflugsverkehr speziell hergerichtet. Die Inneneinrichtung nach speziellen Motiven machen die Reise zum romantischen Nostalgieerlebnis.“ So wird heute für den Amor-Express geworben.

Seit dem 1. Januar 2015 gehören die Amor-Express-Wagen dem DVZO. Sie können dort gebucht und in verschiedenen Kombinationen und mit Lokomotiven nach Wunsch eingesetzt werden. Die Dampflokomotive BT 9 gehört unzertrennlich zum Amor-Express. Sie ist ebenfalls beim DVZO stationiert und kann weiterhin vor den Amor-Express gespannt werden.

Weil zu BT-Zeiten die Dampflokomotive Eb 3/5 mit Rücksicht auf die Verschmutzung der Fahrleitungsisolatoren immer zurückhaltender eingesetzt wurde, diente der umgebaute und bunt lackierte Triebwagen Be 3/4 43 mit dem Namen „Tino“ vermehrt als elektrisches Triebfahrzeug für den Amor-Express. Der aus fünf farbigen Zweiachswagen bestehende Amor-Express wurde so für Hochzeitsfahrten und Gesellschaftsreisen eingesetzt.

Der Triebwagen Be 3/4 43 „Tino“

Die BT BCFe 2/4 waren vier vierachsige elektrische Triebwagen der Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT). Zwei dieser Fahrzeuge wurden zu Pendelzügen umgebaut, die als BDe 2/4 41–42 rund zwanzig Jahre lang den St. Galler Vorortsverkehr besorgten. Der dritte Triebwagen wurde mit einer dritten Triebachse ergänzt und somit zum BCFe 3/4 43. Mit dem Klassenwechsel 1956 wurde er zum ABFe 3/4 umbezeichnet, sechs Jahre später zum ABDe 3/4. 1968 baute ihn die BT zum BDe 3/4 43 um und schliesslich zum Be 3/4 43. Der modernere vierte Triebwagen BCFe 2/4 44, später ABFe 2/4 44, dann ABDe 2/4 44, entstand unter Verwendung nicht gebrauchter Drehgestelle, Motoren und eines Transformators.

Die Bodensee-Toggenburg-Bahn war mit den drei Triebwagen 41 bis 43 sehr zufrieden. Für schwach besetzte Kurse konnten sie als Alleinfahrer eingesetzt werden. Dank ihrer Leistung von 815 PS (599 kW) waren sie auch zur Beförderung mittlerer Züge einsetzbar. Ihre Anhängelast auf der Stammstrecke betrug 100 Tonnen bei einer Geschwindigkeit von 75 km/h.
Im Verlaufe der Zeit wurde der Triebwagen kaum mehr eingesetzt. 1981 wurde das Innere im Stil eines Tessiner Grottos umgebaut und so entstand der bunt lackierte Be 3/4 43 mit dem Namen „Tino“. Während knapp 30 Jahren hatte der Triebwagen in seinem neuen Kleid dem Amor-Express zu vielen erlebnisreichen Fahrten verholfen.

2011 verkaufte die SOB den betriebsfähigen Be 3/4 43 an die Eurovapor Lokremise Sulgen. Das Fahrzeug ist in Romanshorn stationiert und wird vorwiegend in der Ostschweiz eingesetzt. Nach einer Entgleisung im November 2011 wurde der Triebwagen im ursprünglichen Grün lackiert und das „Grotto“ durch eine schlichte Inneneinrichtung mit 50 Sitzplätzen ersetzt.

Quellen:

Der Amor-Express im Modell

Die schon über 30 Jahre alten Wagen stammen von Liliput. Dem Sujet des jeweiligen Wagens entsprechend wurden die Modelle mit Wänden, Innenbeleuchtung und passender Inneneinrichtung ergänzt. Da diese Wagen noch nicht über Norm-Kupplungsschächte verfügten, mussten solche hergestellt und eingebaut werden. Gezogen wird der Amor-Express vom Triebwagen Be 3/4 des Herstellers Sigg Modell. Auch der Triebwagen wurde noch mit passenden Wänden, Inneneinrichtungen und Reisenden ausgestattet. Dezent gealtert ist die historische Zugskomposition sporadisch als Extrazug auf der Anlage des MECF unterwegs – für Reservationen melden sich Interessenten bitte an den Schaltern der Bahnhöfe St. Muhrtal oder Wassen!

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Der Amor-Express als Sonderzug unterwegs beim MECF

Für besondere Anlässe ist der Amor-Express, gezogen vom Triebwagen Be 3/4 43 „Tino“, auf den Gleisen der Anlage des MECF unterwegs und erinnert Onkel Max noch jedes Mal an seine unvergessliche Bahnfahrt.

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