Innenausstattung von Personenwagen

Hand aufs Herz – stehen nicht der hohe Detaillierungsgrad und die praktisch perfekte Beschriftung von Eisenbahnmodellen meist im Widerspruch mit dem spartanisch gestalteten von aussen sichtbaren Innenleben?

Die meisten Personenwagen-Modelle werden vom Hersteller ohne Personen und Innenbeleuchtung ausgeliefert. Dass diese dann schliesslich in diesem Zustand auf den Gleisen der Modellbahnanlage landen, ist verständlich, wenn man sich schon mal mit den Tücken zum Öffnen des Modells rumgeschlagen hat. Zudem erfordert der Einbau etwas Geschick und Geduld, so dass die Frage gerechtfertigt ist, ob sich denn dieser Aufwand überhaupt lohnt. Klar, bei Sammlermodellen, welche nur zwischendurch von ihrem Besitzer mal kurz dem Dunkel der Verpackung entlockt werden, liegt die verneinende Antwort auf der Hand. Anders sieht es aber aus, wenn die Wagen zu den glücklichen gehören, auf einer lieblich gestalteten Modellbahnanlage Platz zu finden. Farbig gekleidete Reisende mit einer passenden und flackerfreien Innenbeleuchtung sind die Würze eines Personenzugs! Für uns hat sich die Mühe des Einbaus bei weitem gelohnt, und wenn über die Miniaturwelt die Nacht einbricht, kommt das Innenleben der Personenwagen erst recht zur Geltung.

Dieser Bericht mag einige Tipps für die Innenausstattung von Personenwagen geben, um den Entscheid zu diesem Schritt zu erleichtern und bei der Ausführung zu helfen.

Dem Motto unserer Clubanlage folgend geht es uns darum, mit einem verhältnismässigen Aufwand einen guten Gesamteindruck zu erwecken. Schon unter dem Gesichtspunkt der Menge an Wagen mussten wir dem Detaillierungsgrad gewisse Grenzen setzen. Es steht selbstverständlich jedem frei, diesbezüglich so weit ins Detail zu gehen, wie es seinem eigenen Können und Willen entspricht.

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Zu den wichtigsten Punkten der Innenausstattung zählen die Personen, die Innenbeleuchtung sowie die allenfalls erforderliche farbliche Nachbehandlung der Sitze und des Fussbodens. Der Vollständigkeit halber seien aber auch ein paar Worte zu Wagenschlusslichtern und Stirnbeleuchtungen von Steuerwagen erwähnt.

Farbgebung

Eintönig ist der Innenraum, wenn ohne besondere Massnahmen des Herstellers das Formteil mit den Sitzen aus einem einzigen Kunststoff-Spritzling hergestellt wurde. Dies fällt bei beleuchteten Wagen sehr deutlich auf. Nur schon das Bemalen der Sitze, der Kopfpolster, der Zwischenwände und des Bodens bringt Leben in die Szene.

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Personen

Sitzende Personen, passend als Reisende in Personenwagen, sind in verschiedensten Formen und Preisklassen im Fachhandel erhältlich. Auch wenn im Original nicht alle Züge voll besetzt sind, ein Dutzend Personen pro Wagen sind bald einmal vorzufinden. Werden aus Sparmassnahmen nur einzelne Personen eingesetzt, verliert das Innenleben an Wirkung. Ausnahmen können beispielsweise Erstklass-Abteile bilden. Abwechslung bieten auch vereinzelt in den Zwischengängen oder den Türplattformen platzierte stehende Personen.

Aus Kostengründen verwendeten wir meist Figuren, welche zuerst noch bemalt werden mussten. Einen angenehmen Nebeneffekt gibt’s dabei – man kann seinen Mode-Vorstellungen freien Lauf lassen!

Ob sitzend oder stehend, die Figuren sollten gut eingeklebt sein. Wegen der geringen Sitzhöhe sind die Beine passend zu kürzen. Auf Schnellkleber ist zu verzichten, wurden doch schon mal wegen den aggressiven Dämpfen Fensterscheiben milchig.

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Innenbeleuchtung

Die Hauptanforderungen an eine Innenbeleuchtung lauten:

  • Angepasste Helligkeit mit gleichmässiger Lichtverteilung
  • Geeignete Lichtfarbe (warmweiss und nicht gelb oder blauweiss)
  • Flackerfreies Konstantlicht mit geringem Stromverbrauch
  • Minimale "Bremsung" durch Kontaktfedern

Aus Kostengründen griffen wir einmal mehr zum Eigenbau. Als elektrische Speisung dient die konstante Gleisspannung des Digitalsystems. Spezielle Beachtung galt der Kurvenüberhöhung und den vielen Gleisabschnitten. Die Lösung lässt sich stichwortartig wie folgt umschreiben:

  • Warmweisse LEDs auf einem Leiterplattenstreifen
  • Eine LED pro Abteil, jeweils 4 LEDs in Reihenschaltung mit Vorwiderstand
  • Kontaktabnahme an jedem Rad (2 pro Achse) mit Federbronze-Draht auf die Achse
  • Gleichrichter pro Drehgestell und Zusammenschalten der beiden Gleichspannungen

Die passend Helligkeit wurde mit einem LED-Strom von etwa 0,5 mA erreicht. Für unsere Spannungsverhältnisse ist dazu ein Vorwiderstand von 1,8 kOhm erforderlich. Stützkondensatoren setzen wir nicht ein, da mit eventuellen Einflüssen auf das von uns noch eingesetzte "alte ZIMO-Format" gerechnet werden muss. Zur Erhaltung der Flexibilität haben wir auch auf eine durch den ganzen Zug führende Leitung verzichtet.

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Schlusslicht und Stirnbeleuchtung

Gepäckwagen, welche oft den Zugschluss bilden, lassen sich mit Schlusslichtern versehen, vor allem dann, wenn schon eine Innenbeleuchtung angebracht wird und die Zugskomposition meist bestehen bleibt.

Bedauerlicherweise ist die Qualität der Stirnbeleuchtung bei einigen neueren Modellen den Sparmassnahmen der Hersteller zum Opfer gefallen. Weniger Lichtleiter und falsch dimensionierte Lichtquellen führen dazu, dass die Leuchtkraft viel zu gering und ungleichmässig ist, wie der ICN und die Ae610 von Roco zeigen. Da blieb uns nichts anderes übrig, als die Stirnbeleuchtung zu überarbeiten. So setzten wir zum Beispiel im ICN andere und anders platzierte LEDs erfolgreich ein.

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Erfahrungen

Mittlerweile ist für uns das ausgestattete Innenleben der Personenwagen "Norm" und es fällt schon auf, wenn ein Wagen dunkel und leer unterwegs ist! Erstaunlich ist, dass die Beleuchtung dank der getroffenen Massnahmen bei der Kontaktierung wirklich flackerfrei ist, und zwar auch in den überhöhten Kurven, auf Weichen und in Kehrschlaufen. Den Höhepunkt erreicht die Wirkung, wenn Nacht über die Anlage einkehrt und feine Lichter die Personenzüge auf ihrer Fahrt begleiten.