Mit Onkel Max auf Fotopirsch

Onkel Max versprach mir schon lange, mich einmal auf eine seiner Fotojagden mitzunehmen. Seine Eisenbahnbilder faszinierten mich schon von klein auf. Ob ich auch einmal auf den Auslöser drücken darf? Endlich ist es soweit.

Der Kaffee ist getrunken, wir können uns auf den Weg machen. Hinter unserem Haus fährt gerade der Regionalzug vorbei. Wir hoffen, dass wir im Schattenbahnhof in diesen Zug steigen können. Es hat geklappt. Nach langer Fahrt durch den Tunnel blendet uns plötzlich gleissendes Sonnenlicht. Hoch oben erblicken wir unseren Bauernhof über der Abzweigung Katzenbach. Unser Zugpferd ist etwas ganz besonderes: die Re 4/4 II mit der galoppierenden Wildsau auf dem Wappen. Sie zieht ganz anständig in den ersten Kehrtunnel. Im letzten Moment zückt Onkel Max die Kamera.

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Ob die Aufnahme mit dem Güterzug wohl gelungen ist? Im Hintergrund rollt ein IC über einen Lehnenviadukt. Gleich danach unterqueren wir eine kleine Feldbrücke. Nach der Kreuzung mit einem schweren Güterzug verschwinden wir in einem Kehrtunnel, um gleich im Bahnhof Wassen zu halten. Hier steigen Onkel Max und ich aus. Nach kurzem Aufenthalt verlässt unser Regionalzug den Bahnhof. Schnell macht Onkel Max ein Bild des kleinen Güterschuppens, vor dem gerade fleissig umgeladen wird. Schnellen Schrittes eilen wir an das andere Ende des Bahnhofes. Wel ein Glück: drei Züge warten auf den Abfahrtsbefehl. Wir wollen uns an diesem Nachmittag den Bahnhof und seine Umgebung anschauen. Schnell holt Onkel Max beim Bahnhofsvorstand die Erlaubnis, das kleine Depot zu besichtigen. Dem Bahnhofrestaurant werden wir wohl bei der Rückkehr einen Besuch abstatten. Vor dem Depot erwartet uns Ungewohntes. Eine Be 6/8 und eine Be 4/6 sind dort abgestellt. Für kurze Zeit verstellt uns eine Rangierlok den Blick auf die beiden Veteranen. Ehrfürchtig bestaunen wir die Triebstangen des "Krokodils" und des "Knochenschüttlers". Das Krokodil, stark verschmutzt und ramponiert, wird wohl seine Tage zählen müssen. Schade, ist sie nicht Museumslok wie die Be 4/6.

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Über hügeliges Gelände, den Bahnhof überblickend, glangen wir auf einen Feldweg. Dieser überquert auf einer alten, vielfach geflickten Steinbogenbrücke die Doppelspur. Gerade fährt ein Triebwagen BDe 4/4 unter der Brücke durch. Onkel Max muss den Film wechseln. Nach einem steilen Aufstieg über Alpmatten stehe wie ein Stück vor dem Eingang zum Scheiteltunnel. Lange warten wir bis ein Summen einen Zug ankündigt. Wir sind gespannt, was wohl kommt. Ein NPZ schiesst aus dem Tunnel, laut pfeifend, weil Onkel Max wieder einmal zu nahe am Gleis steht. Das Pfeifen noch in den Ohren hören wir kaum, dass schon wieder ein Zug bergwärts eilt. Im Einschnitt taucht das Gesicht einer Re 6/6 auf.

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In angeregtem Gespräch wanderen wir zu unserem letzten Fotopunkt: zum Eingang des mittleren Kehrtunnels. Eingebettet in einen langen Einschnitt, verschwindet die Doppelspur im Tunnel, um nach einer langen Kehre in den Bahnhof Wassen einzumünden. Lange halten wir uns da auf, ab und zu unseren Standort ein wenig wechselnd. Viele Züge fahren die Rampe rauf und runter. Wenige halten vor der Signalbrücke. Dann sehen wir über den schwer arbeitenden Maschinen die Luft flimmern. Nach einem kleinen Spaziergang setzen wir uns gemütlich in die Nähe der eleganten Betonbrücke. Onkel Max hofft, hier seinen Film noch füllen zu können. Auf dem Rückweg gelingt noch das letzte Bild. Eine alte Re 4/4 I schleicht langsam über die Geleise. Zwar murmelt Onkel Max etwas von einem blöden Schaltposten, der die Lok verdecke, drückt aber trotzdem auf den Auslöser.

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Allmählich denken wir doch an die Heimkehr. Hinter dem Perron wartet ein Güterzug. Doch jetzt lockt die Gartenwirtschaft des Bahnhofrestaurants. Ein Bier für Onkel Max und eine Cola für mich beleben unsere Geister. Wie aus einer Loge schauen wir den Zügen zu. In einigen Minuten wird uns ein Regionalzug zurückbringen. Onkel Max verspricht mir, mich nächstes Mal auf den Güterbahnhof und zur Schmalspur mitzunehmen.